das babylonexperiment

Eine Auftragsoper des Internationalen KammermusikFestivals Nürnberg

Im Rahmen des Internationalen KammermusikFestivals Nürnberg gibt es auch im Jahr 2008 wieder ein großes Opernprojekt mit dem Titel "das babylonexperiment". In diesem schulartübergreifend angelegten Projekt nehmen Schüler aus der Metropolregion (Nürnberg / Fürth / Roth) – vor allem mit Migrationshintergrund – am Entstehungsprozess und der Aufführung einer Oper teil. Unter professioneller Leitung des Dramaturgen und Autors Michael Kerstan und des Komponisten Matthew King erarbeiten die Schüler das Libretto und die Komposition.

Parallel dazu beschäftigen sich Gruppen von Kindern und Jugendlichen bildnerisch mit dem Turmbau zu Babel. Während des Kammermusikfestivals werden die Arbeitsergebnisse der Gruppen im Auditorium des Neuen Museums in einer Ausstellung zu sehen sein.

Die Oper "das babylonexperiment" wird auf dem Klarissenplatz vor der Kulisse des Neuen Museums uraufgeführt - am Freitag, 19. September, 20.00 Uhr und am Samstag, 20. September, 15.00 & 20.00 Uhr

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Illustration von Francesco Gallé zu „das babylonexperiment“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Integrationsfähigkeit in Deutschland stellen sich die Initiatoren der Herausforderung, den Prozess der Integration aktiv mitzugestalten. Ziele dieses städte-, länder- und schulübergreifenden Projektes sind die Entwicklung der kulturellen Bildung der Kinder und Jugendlichen durch Vermittlung und Aneignung kultureller und künstlerischer Ausdrucksformen sowie Ermutigung und Befähigung zur aktiven Teilnahme am allgemeinen Leben als Heranwachsende.

Das babylonexperiment ist ein innovatives kulturelles Projekt, das die Bedeutung der Integration für die Kulturentwicklung beispielhaft werden lässt. Als Opernprojekt von Jugendlichen für Jugendliche ist es ein modellhaftes Vorhaben, das Impulse geben kann für die Entwicklung soziokultureller Konzepte in unseren Schulen durch die Zusammenarbeit von professionellen Musikern, Künstlern und Autoren. Jeder kennt die Geschichte vom Turmbau zu Babel, vom Streben nach ganz oben und der daraus resultierenden Sprachverwirrung.

Uns Mitteleuropäern aus dem Alten Testament geläufig, kommen diese Motive in zahlreichen Kulturkreisen vor, im Islam wie im Judentum, in asiatischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Kulturen. Das Internationale KammermusikFestival Nürnberg hat sich diesen Stoff für sein siebtes Jahr zu eigen gemacht und Matthew King (Musik) und Michael Kerstan (Libretto) beauftragt, daraus ein Stück Musiktheater zu entwickeln, das der kulturellen Vielfalt der Metropolregion Nürnberg gerecht wird. Mit Haupt- und Realschülern, Gymnasiasten und Heimkindern arbeitet der Autor über diese faszinierend komplexen Motive: Was bedeutet es, nach oben zu streben, den Boden zu verlassen, Zeichen in der Höhe zu setzen, und was, plötzlich nicht mehr dieselbe Sprache zu sprechen, sich nicht mehr zu verstehen, Missverständnisse zu erfahren, Zusammenarbeit als unmöglich zu erleben? Warum ist das so, und was entsteht daraus, wenn nicht Hass und Vernichtung? Das Werk verspricht eine radikal heutige und junge Sicht auf den alten Mythos. Die Jugendlichen, die an der Gestaltung des Librettos mitwirken, können auf diese Weise Erfahrungen ihrer eigenen Lebenswelt und ihre Befindlichkeiten einbringen, was dem Libretto Aktualität, Authentizität und Brisanz verleiht. Dafür sorgt auch die Musik, die Matthew King ebenfalls in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus Nürnberg, Fürth und Roth entwickelt und die zwischen Kurt Weill und der englischen Musiksprache des 20. Jahrhunderts eine ganz eigene Handschrift findet.

Durch die Mitwirkung eines in klassischer Musik geschulten Komponisten verbleibt das ästhetische Geschehen nicht auf einer Ebene der Jugendkultur, sondern erlangt sowohl eine interkulturelle als auch eine hochkulturelle Dimension. Integration ist nicht Thema, es wird von den beteiligten Schülern mit diesem Projekt erfahren. Das Vorhaben trägt zur Völkerverständigung und zum vorurteilsfreien Umgang zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund bei.

WORKSHOP zum babylonexperiment: Schüler mit FRANCES PAPPAS
(Foto: KammermusikFestival)

Zeitplan der Proben (Presse herzlich willkommen):
  • Montag , 9.6. nachmittags getrennt in RS Roth und in Preisslerschule
  • (für alle Nürnberger und Fürther)
  • Montag, 16.6. nachmittags in RS Roth und in Preisslerschule
  • Montag, 23.6. nachmittags in RS Roth und in Preisslerschule
  • Freitag, 27.6. nachmittags in Preisslerschule für alle
  • Montag, 30.6. nachmittags in Preisslerschule für alle
  • Montag, 7.7. und 14.7. noch offen
  • vom 21. - 26.7. Probenwoche morgens von 10 - 12 Uhr und von 13 - 15 Uhr
  • ab Samstag, den 13.9. (noch in den Ferien) tägliche Proben
  • 16. - 18.9. nachmittags Proben

FOTOS VON DEN PROBEN
(hochauflösende Datei erscheint durch Klick auf das Foto)
honorarfrei/ bitte Bildquelle angeben - Fotografin: Jutta Missbach
www.opernfotografie.de/
www.buehnenfotografie.de

Aktuell arbeiten Regisseurin
Nina Kühner, Choreograf Alan Brooks, Dirigent Peter Selwyn und Kammersängerin Frances Pappas gemeinsam mit knapp 70 Schülern daran, die Oper auf die Bühne zu bringen.
Nina Kühner in Aktion

Nina Kühner und Alan Brooks

Peter Selwyn macht die Schüler mit der Musik vertraut

Alan Brooks vermittelt Musikalität und Körperbewusstsein

Faszination durch die richtige Haltung: Alan Brooks begeistert die Jugendlichen

Schult Gehör und Stimme: Frances Pappas

In welchem Rahmen bewege ich mich? Ein zentrales Motiv der Oper.


"Seht, wir bauen einen Turm!" Wir machen eine Oper für Kinder mit fast 80 Kindern und Jugendlichen. Die meisten haben noch nie eine Note gesehen und noch nie auf einer Bühne gestanden – innerhalb von 2 Wochen auf einer Open-Air-Bühne vor dem Neuen Museum – DAS ist ein Turmbau zu Babel!!!!
Um dem schwierigen und facettenreichen Stück einen "Rahmen" zu geben und eine Verbindung zwischen der Bühne und unserem wunderschönen "Bühnenbild", dem Neuen Museum, zu schaffen, haben wir den Rahmen in diesem Falle wörtlich genommen. Die Kinder haben als einziges Requisit alle einen Bilderrahmen, mit dem sie spielen werden. Dies gibt ihnen auch die Möglichkeit, ihre Entwicklung im Stück bildhaft darzustellen. Der Rahmen steht für Individualität, für Begrenzung, Einengung, aber auch für Halt und Schutz.
Auch die Sprachverwirrung, das "Sich nicht mehr verstehen", haben wir wörtlich genommen und versuchen zu zeigen, dass das nicht nur etwas mit unterschiedlichen Sprachen zu tun hat.
Zentrales Thema dieser Inszenierung ist das Individuum, unser "Platz" in der Gesellschaft, unsere persönlichen Grenzen. Die Kinder werden also nicht wirklich einen Turm bauen, sondern SIE verkörpern den Turm, das Gebilde, die Gesellschaft. Sie befinden sich am Anfang des Stückes auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer Persönlichkeit, suchen sich in ihrem "Bild", suchen ihren "Rahmen", ihre Grenzen, ihre Sprache. Sie werden dann zur Masse, werden in einen "Rahmen" gepresst, werden instrumentalisiert. Dieses System, der Turm wird dann zerstört durch diejenigen, die sich über das Volk stellen und durch ihren Wahn den "Rahmen" zerstören – positiv wie auch negativ. Diese plötzliche Grenzenlosigkeit hat, wie man sehen wird, nicht nur Positives. Am Ende werden die Kinder hoffentlich feststellen, dass man auch ohne diesen Rahmen als einzigartiges Kunstwerk existieren kann – im Stück wie auch im Leben.

Nina Kühner, Regisseurin