Wirkungswechsel

Philipp Findeisen - Ilona Herreiner - Roger Libesch - Christian Ruckdeschel

9. April bis 9. Mai 2010

Vernissage: Fr., 9. April 2010, 19 Uhr
Zur Eröffnung spricht Barbara Leicht M.A., Kunstmuseum Erlangen e.V.
Musikalisches Rahmenprogramm: Hannes Selig am Flügel.

Künstlergespräche:
Philipp Findeisen: Mi., 14.4., 18 Uhr
Ilona Herreiner: Mi., 21.4., 18 Uhr
Roger Libesch: Mi., 28.4., 18 Uhr
Christian Ruckdeschel: Mi., 5.5., 18 Uhr

Öffnungszeiten: Mo.-Fr., 16-20 Uhr, Sa./So., 14-18 Uhr

Exemplarisch für die vielgestaltigen fluiden Beziehungen des Menschen, seiner urbanen Umgebung, seiner Schaffens- und Zerstörungskraft, seiner Natur und seiner Akkulturation, zeigen die vier Künstler vier kontrastierende Aspekte, die in ihrem Wirkungswechsel den Rezipienten eine abstrahierende Reflexion über den urbanen Menschen, seine Chancen und Risiken, Herkunft, Gegenwart und Zukunft, über zeitlichen und strukturellen Wandel ermöglichen.

Findeisens großformatige Malerei thematisiert die natürliche Umwelt und das Phänomen "Natur", wobei seine Sicht auf "Natur" nicht naturalistisch erfolgt, sondern aus der subjektivistischen, abstrakten Perspektive des modernen Menschen unserer Kultur. Durch das Spiel mit den Oberflächen – auf einer abstrakten Hintergrundsfolie erscheinen Landschaften –lässt Findeisen imaginären Raum entstehen. Die artifizielle Farbigkeit soll vermitteln, dass ein zukünftiger Zustand bei augenscheinlicher Parallelität zu seinem Ursprung durch seine Geschichte ein generisch abweichendes Wesen haben kann.

Herreiners figurative Skulpturen zeigen in zugespitzter Form den Wandel der natürlichen Herkunft des Menschen und Visionen seiner individuellen Zukunft. Ihre Skulpturen irritieren und trösten zugleich, denn sie lassen eine Rückbesinnung des Rezipienten auf seine eigene Geschichte zu. Die Arbeiten oszillieren zwischen einer spielerisch-kindlichen und einer melancholisch-ernsthaften Tiefe ihrer Erscheinung. Daran lässt sich spüren, dass über Entstehen, Sein und Zerfall hinaus der natürliche Schöpfungsprozess unaufhaltbar voranschreitet. Herreiners Arbeiten verdeutlichen, dass es keinen definierten Sollzustand gibt, sondern nur Momentaufnahmen gesellschaftlicher und physischer Bedingungen.

Libesch bildet Zitate aus dem großen Repertoire seiner komplexen und narrativen Gemälde in bislang ungewohnter Größe als Wand-Scribbles ab. Erstmals geht Libesch direkt auf den Raum ein. Seine Arbeiten sind temporär angelegt und bleiben nur über den Zeitraum der Ausstellung sichtbar. Er zeigt Momentaufnahmen der Urbanität, erzählt Geschichten aus dem Alltag seiner Zeitgenossen, die Schöpfer und gleichzeitig Opfer ihrer selbstgeschaffenen Umwelt sind. Seine teilweise an Mangas erinnernde Bildsprache kontrastiert auf den ersten Blick mit den klassischen Medien der anderen drei Künstler und ergänzt sich doch nahtlos mit den vielgestaltigen Möglichkeiten der Darstellung des modernen Menschen im unaufhaltsamen Wandel von Natur, Umwelt und medial geprägter Gesellschaft.

Ruckdeschels Skulpturen sind primär ästhetische, abstrakte Objekte, die architektonische Tendenzen sowie auch figürliche Aspekte besitzen können. In ihrer Größe symbolisieren sie die Struktur und die ordnende Kraft, die den Materialien von Natur aus gegeben sind und von denen sich der Bildhauer leiten lässt. Ruckdeschels bildhauerische Intuition generiert eine zumeist geometrische Formensprache, die deutlich zur organischen Form kontrastiert. Der Prozess spielt dabei eine zentrale Rolle. Farbe, Struktur und Dichte des Steins sind Grundlagen für den emotionalen Dialog zwischen Künstler und Material. Durch die Nonfunktionalität der Werke wird die Freiheit des Künstlers zur formalen Selbstdefinition deutlich und beweist, dass Ästhetik einen Sinn für und an sich darstellt.