Nürnberg Stipendium für die Zentrifuge

Der Verein „Zentrifuge – Kommunikation, Kunst und Kultur“ erhält dieses Jahr eines von vier Nürnberg Stipendien. Weitere Preisträger sind: Gerhard Falkner (Preis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg), Ursula Kreutz und Dan Reeder (Förderungspreis für Kunst und Wissenschaft), Lena Dobler, Sebastian Kuhn und die Musikgruppe „Carlos Reisch“ (Nürnberg Stipendium). Die Preisträger werden für herausragende Akzente gewürdigt, die sie im Nürnberger Kulturleben setzen. Die Preise werden am 15. November 2010 im Rahmen eines Festaktes in der Tafelhalle übergeben.

Der Verein „Zentrifuge- Kommunikation, Kunst und Kultur“ wurde 2008 aus der Möglichkeit heraus gegründet, in einer 600 qm großen Halle auf dem ehemaligen AEG Gelände ein Kulturprojekt zu realisieren. Initiator der Zentrifuge ist der Diplomjournalist Michael Schels, der seit mehreren Jahren Kulturprojekte in der Region organisatorisch unterstützt und kommunikativ begleitet. Schels hat sich als PR-Dienstleister auf den Bereich Kultur spezialisiert und betreibt unter anderem auch das Online-Künstlerverzeichnis jetztkunst.de, aus dem heraus er bislang über 20 Ausstellungen mit Bildenden Künstlern in Nürnberg, Erlangen, Frankfurt und Hamburg realisiert hat. Zusammen mit dem Autor Reinhard Knodt veranstaltete er die Nürnberger Autorengespräche und war Mitorganisator des Kultursalons im Nürnberger Hauptbahnhof – ein Zwischennutzprojekt, das in fünf Monaten über 100 Kulturveranstaltungen in den Nürnberger Bahnhof brachte. Als Schels sich Anfang 2008 beim Betreiber des AEG-Areals als Dienstleister anbot, erkannte Projektleiter Bertram Schultze sofort das organisatorische Talent und das kommunikative Potenzial des Netzwerkers Schels. Er bot ihm an, die Halle 14 mit Kunst und Kultur zu bespielen. „Das Angebot von Herrn Schultze war extrem verlockend - ich konnte nicht anders und musste diese Chance wahrnehmen. Für mich alleine wäre das Projekt allerdings viel zu groß gewesen, also aktivierte ich kulturbegeisterte Menschen und wir gründeten den gemeinnützigen Verein Zentrifuge – Kommunikation, Kunst und Kultur e.V.“, erinnert sich Schels.

Warum Zentrifuge? „Der Name war schnell gefunden“, erklärt Schels. „Auf AEG wurden früher Waschmaschinen gefertigt, die ja bekanntlich mit Zentrifugalkraft arbeiten. Der Name ist einprägsam, hat einen Bezug zum Ort und versinnbildlicht auch die Absicht des Vereins, nämlich wie eine Zentrifuge Energie zu entfalten, die stark nach außen wirkt.“ Schels, der auch Mitglied des Forums Kultur der Metropolregion Nürnberg ist, achtete bei der Formulierung der Vereinssatzung darauf, die Metropolregion von vornherein in das Vereinsziel einzubinden. Dementsprechend lautet die zentrale Passage der Satzung: „Zweck des Vereins ist die Förderung von Kommunikation, Kunst, Kultur, Bildung und sozialen Aktivitäten in der Metropolregion und darüber hinaus. Die Metropolregion Nürnberg wird mit thematisiert und bildet den geografischen Rahmen, aus dem heraus Künstler, Kulturschaffende, Kreative und Interessierte in dieses Projekt eingebunden werden. Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die vom Verein getragenen Aktivitäten in der Halle 14 auf dem ehemaligen AEG Gelände in Nürnberg, ist aber nicht ausschließlich auf diesen Ort beschränkt. Diese Aktivitäten umfassen unter anderem Projekte aus den Bereichen Kommunikation, Kunst und Kultur, wobei auch regionale, nationale und internationale Vernetzung angestrebt wird.“

Die Zentrifuge Community
Im Januar 2009 startete der Verein mit der ersten Ausstellung, seitdem fanden bislang 12 weitere Ausstellungen Auf AEG statt, bei denen insgesamt über 100 Künstler präsentiert wurden. Ergänzend findet in der Zentrifuge auch ein spartenübergreifendes Kulturprogramm statt, bei dem vor allem experimentelle Projekte eine Plattform finden. Die Künstler bringen sich kostenlos ein – sie unterstützen die Zentrifuge als einen virtuellen und realen Ort der Begegnung, an dem sich Kulturschaffende und Kulturinteressierte miteinander vernetzen und austauschen. Über die Internetseite www.zentrifuge-nuernberg.de hat sich mittlerweile eine Community mit über 300 registrierten Mitgliedern gebildet, die das Projekt Zentrifuge begleiten, ohne dabei Mitglieder des Vereins sein zu müssen. Die meisten Zentrifugisten haben kreative Berufe - neben vielen Bildenden Künstlern sind auch Tänzer, Musiker, Designer, Architekten oder Literaten dabei. Aber auch andere Berufsgruppen zählen dazu: Marketingfachleute fühlen sich von der Zentrifuge ebenso angesprochen wie Geschäftsführer. Lehrer oder Politiker. Letztlich ist ja jeder in seinem Bereich kreativ und kann von anderen lernen, wenn er nur aufgeschlossen ist. Die Zentrifuge ist ein ideales Projekt für Menschen, die offen aufeinander zugehen und sich auf Neues einlassen. Auch Immigranten fühlen sich in der Zentrifuge wohl – der Community haben sich unter anderem schon Afrikaner, Amerikaner, Indonesier, Italiener, Mongolen, Russen, Schweden, Spanier und Türken angeschlossen.

(Kultur-)Wirtschaftliche Perspektiven
Die Zentrifuge wird vom Kulturreferat der Stadt Nürnberg und vom Bezirk Mittelfranken gefördert, zudem gibt es mehrere Sponsoren, die vorwiegend mit Sachleistungen die Arbeit des Vereins unterstützen. „Die öffentlichen Förderungen sind durchaus hilfreich, doch können wir damit weder Miete noch Personal bezahlen – es reicht gerade für Versicherungen, Kommunikations- und Materialkosten“, fasst der Bamberger Marketing- und IT-Berater Stefan Streiß zusammen, der im Verein die Funktion des Finanzvorstands innehat. Ein Glücksfall für die Zentrifuge ist es, dass Margt Brendl in den Verein eingetreten ist, die mit ihrer Agentur Kulturliebe auf Kultursponsoring spezialisiert ist. Sie hat für die Zentrifuge ein Sponsorenkonzept entwickelt, das dem Verein neue Chancen bei der Sponsorensuche eröffnet.

Öffentliche Förderung und Sponsoring allein werden jedoch nicht ausreichen, um der Zentrifuge eine nachhaltige Perspektive zu geben. Hier sind weitere Ansätze gefragt, wobei die Zentrifuge sehr innovativ vorgeht: Seit einem Jahr setzt sich der Verein über die Ausstellungen hinaus intensiv mit der Kultur- und Kreativwirtschaft auseinander. In mehreren Workshops wurden Ideen ausgetauscht, Konzepte entwickelt und Kontakte geknüpft. Mittlerweile ist die Zentrifuge ein zentraler Akteur in einem überregionalen, zunehmend auch internationalen Netzwerk, das die Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft vorantreibt. Aus der Zentrifuge heraus wurde das Netzwerk „Creative Hotspots Nürnberg“ gegründet, Impulsgeber war Vereinsmitglied Markus Teschner, Mitinitiator und -organisator des Webmontags – einer Veranstaltung, bei der sich Aktive aus der IT- und Internetszene austauschen. Dieses Format wurde in der Zentrifuge für die Kultur- und Kreativwirtschaft angepasst – der Creative Monday war geboren. Alle drei Monate treffen sich nun Akteure aus den verschiedenen Teilbranchen in der Zentrifuge, präsentieren spannende Projekte und erfahren dabei, woran Kollegen aus anderen Bereichen arbeiten. Architekten begegnen Werbeprofis, Tänzer lernen Musiker kennen, Designer lassen sich von Bildenden Künstlern inspirieren, Game Designer tauschen sich mit Schriftstellern aus … die Kombinations- und Synergiepotenziale sind nahezu unbegrenzt. Da die Zentrifuge ihre zentrale Rolle als Treffpunkt und Schnittstelle für Kreative ausbauen und festigen will, hat sie ihre Aktivitäten auch publizistisch erweitert. Mit dem Magazin „ON – Kultur und Kreativ Index“ präsentiert sie Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft in einem Weblog (www.on-index.de). Ziel ist dabei, die besten Beiträge einmal pro Jahr in gedruckter Form erscheinen zu lassen. Die erste Ausgabe ist für Ende 2011 anvisiert. Ein weiterer Baustein ist das Vorhaben, die Zentrifuge mit einem Coworking Space Auf AEG zu verknüpfen. „Unsere Vision ist, die Zentrifuge zu einem auch wirtschaftlich funktionierenden Inkubationsort für kreative Kräfte Auf AEG zu entfalten. Künstler, Kreative, Kulturschaffende, Designer und IT-Spezialisten kommen hier zusammen, lernen voneinander und entwickeln gemeinsam Ideen und Projekte - und dies in einer kreativen Umgebung mit Ausstellungen und spartenübergreifender Kultur. Wir arbeiten an der Verwirklichung dieser Vision, indem wir Vernetzung und Professionalisierung vorantreiben und Transparenz herstellen“, betont Zentrifuge-Vorstand Schels.