Forschende Kunst

Die Zentrifuge ist im Zuge einer postindustriellen Transformation in Nürnberg entstanden und steht damit exemplarisch sowohl für lokale als auch für globale Veränderungsprozesse. In einer verlassenen Industriehalle hat sich die Zentrifuge während der Entwicklung des Areals „Auf AEG“ als Non-Profit-Organisation über mehrere Jahre als treibender Akteur und Agent des Wandels eingebracht und als Impulsgeber für kreativwirtschaftliche und kulturelle Innovationen bewiesen.

Die unentwegte Arbeit in kulturell-gesellschaftlichen Zusammenhängen hat bei den Beteiligten zwingende Fragen aufkommen lassen und den Drang nach Erkenntnis geschürt: Es geht bei "Forschende Kunst" um ein besseres Verständnis vom Wert schöpferischen Tuns und um die Erhellung und Pflege kreativer, schöpferischer Prozesse. 




Die forschenden Künstler und künstlerisch Forschenden der Zentrifuge sind u.a. dem Wesen der Kunst auf der Spur. Sie möchten wissen, was sich von ihrem Erfahrungs- und Wissensschatz auf andere Bereich der Wirklichkeit übertragen lässt. Die Kunst erscheint ihnen – wenigstens in theoretischer Hinsicht - als das letzte Refugium von Freiheit. Die Kunst inspiriert sie bei der Gestaltung von Freiräumen, in denen sie offene, kreative Begegnungen stattfinden lassen. Mit Hilfe und Dank der Kunst wagen sie es, neue Wirklichkeiten anzustreben und gestaltend tätig zu werden, ohne sich dabei selbst als vorrangig Künstler zu verstehen.
Ihre Motivation ziehen die Zentrifugler aus der Freude bei der Entwicklung und Durchführung von Kulturprojekten, aus dem Austausch mit Künstlern, Ingenieuren, Unternehmern und Wissenschaftlern und aus der Begegnung mit begeisterungsfähigen Menschen. Auch die Auseinandersetzung mit ästhetischen Theorien sowie philosophischen und wissenschaftlichen Texten erfahren sie als fortwährende Bereicherung.
Forschung mit Mitteln und aus Perspektiven der Kunst
"Forschende Kunst" ist ein grenzüberschreitendes, ästhetisch und gesellschaftlich ambitioniertes Projekt der Zentrifuge. Mit Partnern aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft arbeitet die Zentrifuge über einen längeren Zeitraum intensiv heraus, wie „das Neue“ aus der Kunst wirksam wird. Die Modellierung dieses Prozesses macht das interdisziplinäre Arbeiten mit künstlerischen Mitteln fruchtbar.
"Forschende Kunst 1: umwelten" hat im Sommer 2013 die Grundlage geschaffen für ein differenziertes und zielgerichtetes Verständnis des Projekts. Diese erste Phase mündete im Herbst in eine Ausstellung in der Zentrifuge. In diesen interdisziplinären, interkulturellen Prozess waren in der ersten Phase neben fünf ausgewählten Bildenden Künstlern (drei aus Deutschland und zwei aus Italien) auch zwei Vertreter des VDI/VDE, ein Wissenschaftler der Uni Eichstätt, ein Unternehmensberater, ein Zukunftsforscher, eine Schriftstellerin und ein Journalist eingebunden.
Aus dieser Zusammensetzung und dem in dieser Konstellation erarbeiteten Know-how entstand - gefördert durch die Wirtschaftsförderung der Stadt Nürnberg im Rahmen des Förderprogramms "Ideen.kreativ.innovativ" - "Forschende Kunst 2: Musik" mit dem Ziel, diesen Prozess für Unternehmen und Organisationen wirksam zu machen und Impulse für ein neuartiges und nachhaltiges Innovationsverständnis zu setzen.
"Forschende Kunst" bringt "Forschung" und "Kunst" in einen produktiven Zusammenhang. Ziel dabei ist, Menschen unterschiedlicher Disziplinen und Lebenswelten zu einem offenen Austausch anzuregen. Sie bringen aus ihrer jeweiligen Perspektive Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition ein. In der Summe können dadurch Erkenntnisse gewonnen werden, die wiederum in neue Projekte einfließen. Der Prozess wird systematisch dokumentiert, die Ergebnisse werden veröffentlicht.
Das Projekt "Forschende Kunst“ will ein nachvollziehbares und fortwährendes Nachdenken darüber anregen, was Menschen tun, wenn sie in gemeinsamen, konstruktiven Projekten ihrer Kreativität und Intuition vertrauen. Dies geschieht aus der Überzeugung heraus, dass schöpferisches und künstlerisches Arbeiten enorme Potenziale für Innovationsprozesse bietet. Dabei kommen auch philosophische und ethische Dimensionen ins Spiel: Was ist uns wirklich wichtig und wertvoll und was sind wir bereit, dafür zu tun?