Vernissage Shohé Alexander Seiler im Bochmanns, Nürnberg

22.11.2014, 20 Uhr

Laudator: Michael Schels, KULTurbüro Schels

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste des Bochmanns,

ich begrüße Sie herzlich zur ersten Kabinettausstellung im Bochmanns mit Arbeiten von Shohé Alexander Seiler. Dies ist der Auftakt der noch jungen Champagnerbar für zukünftige Kunstsessions an diesem Ort - in loser Folge sollen hier künftig Lesungen, Konzerte und Ausstellungen stattfinden.

Bernd Elsner, der zusammen mit seiner Frau das Bochmanns leitet, lernte Alexander Seiler über die Kunst kennen: Bis vor kurzem hatte er dessen Atelier mit genutzt, sie hatten in direkter Nachbarschaft gearbeitet. Platz hat Seiler genug - eine 900 qm große Halle Auf AEG

Alexander Seiler in seinem Atelier Auf AEG
Foto: Frank Johannes
Alexander Seilers Atelier dürfte wohl eines der größten, wenn nicht sogar das größte Künstleratelier in Nürnberg sein. Dies ist auch nötig, denn Seilers Kunst ist raumgreifend, seine Skulpturen und Plastiken füllen schon einzeln ganze Räume. 

Seilers Skulpturen haben in den letzten Jahren Platz in renommierten Institutionen in ganz Deutschland gefunden. Hier eine kleine Auswahl der Ausstellungen der letzten Jahre:

2006 Kreis Galerie Nürnberg

2007 und 2010 Haus der Kunst München
Das Bayerische Fernsehen berichtete 2007 in der Sendung Cappriccio über Alexander Seiler und dessen Arbeit „Panthersprung I“. Die Sendung wurde bundesweit ausgestrahlt und so wurde Michael Schultz – einer der renommiertesten Galeristen Deutschlands - auf Alexander Seiler aufmerksam. Er besuchte ihn in seinem Nürnberger Atelier, kaufte die Skulptur „Panthersprung I“ und nahm Seiler als Schultz Contemporary Artist unter Vertrag. 

2009 schrieb die Welt zu einer Präsentation von Seilers Arbeiten in Berlin: 

„Drei riesige Kriegsschiffe liegen angriffsbereit bei schultz contemporary vor Anker. Aber schon beim ersten Hinschauen zweifelt man an ihrer Einsatzbereitschaft. Sie liegen traurig da, als seien sie gerade in einem schweren Gefecht arg ramponiert worden. Ihre Kanonen zerstört, die Schiffsplanken beschädigt. Auf allen drei Schiffen stehen Reste antiker griechischer Tempel und ägyptischer Pyramiden.

Der Nürnberger Künstler Alexander Seiler schuf diese monströsen "Marinen" aus Gips (bis zu 800 Kilogramm schwer). Doch von welcher Zeit künden sie? Sind sie Geschichte oder erzählen sie von heute? Mit dem Titel "Panthersprung" verweist Seiler auf die zweite Marokkokrise, die 1911 zwischen Deutschland und Frankreich durch die Entsendung des Kanonenbootes SMS Panther ausgelöst wurde. Koloniale Machtansprüche beider Staaten verursachten Streit.

Seiler vernetzt geschichtliche Tatsachen mit Anspielungen auf das Hier und Heute. Ist ein Problem überhaupt mit militärischer Gewalt zu lösen? Die Geschichte sagt nein. Seilers Kunst untermauert dies. Denn selbst die kleinen Rettungsboote, die auf den großen Schiffen vereinzelt platziert sind, versprechen keine wirkliche Rettung."

Es folgten Einzelausstellungen in Berlin und Leipzig („Archiv massiv“ in der Spinnerei Leipzig) und Ausstellungen auf großen Kunstmessen wie der Art Karlsruhe und der Art Cologne. 

Alexander Seiler und ich kennen uns seit 2001. Er war einer von 40 Künstlern, die ich damals im Z-Bau ausgestellt hatte. Seitdem sind wir befreundet und arbeiten auch zusammen - u.a. unterstütze ich ihn mit meinem KULTurbüro Schels bei der Kommunikation seiner Ausstellungsprojekte. Als ich 2008 die Zentrifuge Auf AEG gründete, konnte ich auch einen Kontakt zwischen Alexander Seiler und Bertram Schutze herstellen, dem Projektentwickler des Areals. Bertram Schultze war von den Arbeiten Seilers gleich angetan und bot ihm eine große Halle als Atelier an. Seitdem ist Seiler Auf AEG verortet.

Alexander Seiler taucht mit seiner Kunst ein in die deutsche Seele und ihre Geschichte in all ihrem Streben und Scheitern. Es ist wohl eine Fügung, dass Seiler in Nürnberg lebt und arbeitet – damals der Stadt der Reichsparteitage und heute der Stadt der Menschenrechte. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass Seiler sich an dieser Stadt schmerzlich reibt – manchmal bis zur Verzweiflung. Als gebürtiger Berliner fühlt er sich in der fränkischen Provinz nicht wirklich heimisch, sein eigentlicher Ort ist ein geistiger. 

Seilers Kunst ist von gebrochenem Pathos durchdrungen, sie ist fein ironisch und mündet hin und wieder in Sarkasmus. Auch sardonische Züge und Spott sind ihm nicht fremd. In seinen Arbeiten zeigt er Waffen, die durchaus scharf gemeint sind. Diesen Angriff sollten wir bei aller Ironie ernst nehmen.

Was Seiler neben seiner bildhauerischen Arbeit ebenso auszeichnet, ist seine Hingabe an die Zeichnung, das Gemälde. Obwohl seine dreidimensionalen Arbeiten seit etwa 12 Jahren seinen künstlerischen Schwerpunkt bilden, vergeht bei ihm kaum ein Tag, an dem er nicht zeichnerisch oder malerisch tätig ist. 

Hier im Bochmanns sehen Sie eine kleine Auswahl aus seinem Schaffen – sie reicht von der ausdrucksstarken Studie bspw. des „Rosenheimer Koffers“ bis zur feinen klassischen Federzeichnung in Sepia oder schwarzer und weißer Tusche. Die Arbeiten lohnen eine genauere Betrachtung – der „Rosenheimer Koffer“ beispielsweise enthält viele architektonische Details wie dorische und ionischen Säulen und Kapitelle -  alle in aufwendiger Kleinarbeit erst in Ton modelliert, dann abgeformt und gegossen.

Eine leichte Melancholie liegt über den Aquarellen der „Barken“, die eine Geschichte hinter sich, aber durchaus auch noch eine vor sich zu haben scheinen.

Alexander Seiler ist ein beharrlicher Idealist, ein von der Geschichte Besessener, der alle Nuancen des künstlerischen Ausdrucks beherrscht – von kraftvoll-dynamisch und expressiv bis hin zu zartfühlend und feinsinnig.

In „wartist“, einem international anerkannten Online-Magazin, das auf „Kunst und Krieg“ spezialisiert ist, wurde Seiler als „fröhlicher Pessimist“ bezeichnet – eine Einschätzung seiner Persönlichkeit, die ich in aller Freundschaft bestätigen kann.